Aktuelles Sambia

Der Schulhausbau ist fertig!
Januar 2017

Auf dem Weg nach Mutinondo, unserem Campingplatz, besuchen Nathaly und ich Chief Mpumba. Er ist nach wie vor sehr hilfsbereit und jedesmal froh uns zu empfangen. Wir tauschen unsere Gedanken zum Schulbetrieb aus und den nächsten Schritten dorthin. Chief Mpumba hat ein Referenzschreiben für Nathaly und mich als Vertreter der Red Rhino Society unterzeichnet. Ebenfalls hat er uns in einem Schreiben bestätigt, dass das Land auf welchem die Schule steht, langfristig der Schule zugesprochen ist. Diese Schreiben sind wichtig für die weitere Arbeit der RRS hier in Sambia.

Unser erster Besuch auf der Baustelle im 2017 ist ganz der Bauabnahme gewidmet. Zu diesem Zweck treffen wir Tinashe dem Baumeister und unseren Vertreter Fred Mbulwe, Direktor des Lavushi Manda Nationalparks und designierter Bauleiter und Bauaufseher auf der Baustelle.

Das Hauptgebäude mit den zwei Klassenzimmern und den zwei Lehrerbüros ist fertig.

Die beiden Lehrerhäuser sind mit Ausnahme der Sanitäranlagen fertig. Der Sanitär ist daran auch diese Arbeiten abzuschliessen. Die Toilettenanlage mit 4 Plumpsklos – je zwei für Mädchen und zwei für Jungen - und einem Urinalraum sind fertig. Wir einigen uns noch darauf, dass bei den Toiletten einfache Schwingtüren angebracht werden müssen. Die Handwaschbecken werden mit dem Projekt für fliessendes Wasser folgen.

Das kleine Nebengebäude, das uns als Lagerraum für Geräte und übrig gebliebenes Material dienen soll, ist fertig, wird aber noch von einem Mitarbeiter des Baumeisters bewohnt, weshalb das Material noch in den Schulräumen lagert.

Es ist Material übrig geblieben, wie Backsteine, Sand und ein paar Wellbleche. Auch das Holz des Gerüstes kann wieder verwendet werden. Ebenfalls sind über 100 Säcke Zement zuviel bestellt worden. Diese sind noch nicht geliefert worden und werden als Guthaben für die nächste Etappe geführt.

Ein grober Überblick über die Kosten sieht einen Abschluss innerhalb des Kostenvoranschlages vor. Die Bauabrechnung ist noch nicht abgeschlossen, da noch einige Belege fehlen.

Fred hat sich neben seiner Aufgabe der Leitung des Nationalparks grossartig für die RRS Schule eingesetzt und auch seine Freizeit dafür verwendet. Nicht hoch genug können auch seine Fähigkeiten im Baubereich von Schulen bewertet werden. Fred begleitete in seiner früheren Tätigkeit etliche Schulbauten für die Regierung. Wir sind ihm sehr dankbar.

Zu organisieren sind noch die Möblierung der Klassenzimmer und die Umgebungsarbeiten. Letztere werden von den umliegenden Dörfern ausgeführt werden.

Im Vorbeifahren treffen wir dann noch Herrn Spoon und seine Frau. Er ist der Dorfvorsteher des gleichnamigen Dorfes. Sie wollen wissen, wann die Schule den Betrieb aufnimmt. Es haben einige der Primarschüler, motiviert durch unsere Schule, einen guten Abschluss gemacht. Die Schüler werden nun für das erste Schultrimester den weiten Weg in eine andere Schule unternehmen müssen, sofern sie dies finanzieren können. Wenn alles rund läuft mit den Schulbehörden werden sie im Mai zum Start des zweiten Trimesters an die Mpumba Red Rhino Secondary School wechseln können.

Die nächste Zwischenetappe ist die Wasser und Stromversorgung. Gemäss erstellter Kostenschätzung belaufen sich die Gesamtkosten dafür auf ca. 20'000 Franken.

Gü Glöggler Wagner

 

 













 

 

Der Weg ist das Ziel - Besuch der Mpumba Red Rhino Secondary School!

Dezember 2017

Die Reise von Lusaka resp. Chisamba nach Lavushi Manda und der Besuch der Schule dauert mindestens 3 Tage. Dabei gilt es notwendige Treffen zu vereinbaren, die Route und Zwischenstopps festzulegen, das Auto zu packen und genügend Wasser und Verpflegung mitzunehmen. Vier Vorstandsmitglieder machen diese Reise zusammen: Gü Glöggler Wagner, Nathaly Wagner, Heinz Müller, Eva Wagner. Nathaly und Gü sind glücklicherweise mit dieser Reise bestens vertraut. Schon viele Male sind sie für Abklärungen und Besprechungen in den Norden gereist und während der ganzen Bauphase des Schulprojekts war Gü oft vor Ort. Eine Kiste mit Wasserkanister, Regenschuhen etc. wird hinten auf die Ladefläche versorgt und wir quetschen uns alle vier zwischen Rucksäcke und Taschen. Das wechselhafte Wetter mit Regengüssen und Sonnenschein machen das Fahren nicht einfach. Der alles andere als harmlose Verkehr erfordert grösste Aufmerksamkeit, weshalb mit dem Fahren abgewechselt und dafür gesorgt wird, dass mindestens vier Augen den Verkehr beobachten. 

Ich sitze hinten und darf den Blick in diese abwechslungsreiche Landschaft schweifen lassen. Es gibt nicht nur Schönes zu sehen, einige Ortschaften unterwegs zeigen oft ein trauriges Bild - Abfallhaufen, Dreck und heruntergekommene Gebäude. Da ist aber auch das Neue und Faszinierende: Einfache Bauten und Bretterbuden, die mit „Night Club", „Shopping Center", „Butcher" etc. angeschrieben sind. Zahlreiche Menschen halten sich der Strasse entlang auf, davon viele Kinder. Dort wo kleine Siedlungen oder einzelne Hütten sichtbar sind, finden sich oft Verkaufsstände mit Esswaren, geflochtenen Körben und einfachen Reisbesen. Die farbenfrohen Stände sind ein Hingucker. Kinder bieten entlang der Strasse lebende Hühner und frisch geerntete Pilze an. Wir sparen uns die „Einkäufe" für die Rückreise auf und machen nur Halt um zu tanken und einen guten Kaffee zu geniessen. 

Im Norden wird die Landschaft zunehmend schöner und die Siedlungen einheitlicher mit den typisch runden, mit Stroh bedeckten Hütten. Die letzten Kilometer bis zur Unterkunft sind noch eine harte Prüfung für unsere Rücken, da die Naturstrasse zur Lodge einige Löcher und Unebenheiten aufweist. Müde beziehen wir die originellen Bungalows und geniessen den verdienten Apéro mit Blick in eine traumhafte Landschaft. Was wir sehen ist Afrika pur. 

Am folgenden Tag besuchen wir die Schule. Weg von der Hauptstrasse frage ich mich, wo hier Menschen leben und woher all die Kinder kommen sollen. Entlang der holperigen Zufahrtstrasse sind nirgends Siedlungen zu sehen. In einer grossen Lichtung steht sie plötzlich vor uns: die Mpumba Red Rhino Secondary School. Ich bin überwältigt, denn die Gebäude sind schöner und grösser als ich sie mir vorgestellt habe. Der gesamte Gebäudekomplex ist sehr harmonisch in die Umgebung eingebettet. Die Kinder haben uns offensichtlich schon neugierig erwartet.

Wir begeben uns zu einer Besprechung in eines der hellen und freundlichen Schulzimmer, wo wir auf den eigens für die Schule angefertigten Schulmöbeln sitzen. Unsere Gesprächspartner sind Vertreter des Ministry of Education und Regierungsmitglieder des neuen Distrikts von Lavushi Manda. Die an der letzten Sitzung im September 2017 mit Nathaly und Gü getroffenen Vereinbarungen werden wiederholt, damit auch für die neu dazugekommenen Gesprächspartner der Informationsstand geklärt ist. Der für Mitte Januar 2018 in Aussicht gestellte Betriebsbeginn der Schule wird zu unserem Erstaunen und Ärgernis an neue Bedingungen geknüpft. Doch Gü schafft es, mit bewundernswerter Klarheit und Souveränität den Anwesenden verständlich zu machen, dass die Schule von Seiten der Red Rhino Society nun fertig gestellt ist und wir von unseren Partnern den nächsten Schritt - und damit ist der Schulbetrieb gemeint - erwarten. Ohne regulären Schulbetrieb werden keine weiteren Gelder aus der Schweiz in dieses Projekt fliessen. Diese klare Botschaft und die Stellungnahme weiterer Vorstandsmitglieder scheinen anzukommen und wir erhalten die Zusicherung für einen Schulbetrieb ab Mitte Januar 2018. Gleichzeitig versprechen wir von unserer Seite, nach Betriebsaufnahme der Schule den Bau einer weiteren Etappe in Angriff zu nehmen, so wie es für das Gesamtprojekt vorgesehen war. Abschliessend besichtigen wir gemeinsam die gesamte Anlage und die anwesenden Regierungs- und Schulvertreter zeigen sich von den Bauten und deren Einrichtungen sehr beeindruckt.

Am Tag unserer Rückreise steht noch der Besuch beim Chief bevor. Korrekt ausgedrückt handelt es sich um eine „Audienz bei His Royal Highness, Chief Mpumba“. Entsprechend gross sind unsere Erwartungen und die Neugierde. Wir halten uns bei der Begrüssung an die traditionellen Gepflogenheiten, erweisen dem Chief die übliche Ehrerbietung und bringen Geschenke mit. Der Chief empfängt uns unkompliziert und herzlich und wir dürfen neben ihm auf Stühlen sitzen und müssen nicht auf der Strohmatte Platz nehmen. Chief Mpumba wiederholt im Laufe des Gesprächs seinen Dank für unser Engagement in seinem Distrikt und bestätigt die Notwendigkeit für gute Bildungsmöglichkeiten der Bevölkerung, besonders in dieser Gegend Sambias. Er wird unser Projekt weiterhin unterstützen, unter anderem auch mit der Delegation einer örtlichen Fachperson.

Die lange Rückfahrt nach Chisamba erlaubt es mir, die Gedanken etwas schweifen zu lassen. Sind wir mit unserem Schulprojekt gut unterwegs? Werden wir das Etappenziel innert nützlicher Frist erreichen und welche unterwarteten Hindernisse gilt es noch zu überwinden? Der Weg scheint noch weit, aber wir wissen auch, dass die Richtung trotz Umwegen und unfreiwilligen Zwischenstopps stimmt. Vor allem wissen wir aber, dass dank vielseitiger Unterstützung aus der Schweiz und in Sambia das Ziel erreicht werden kann.

Eva Wagner